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Mutti

Gestern sah ich mal wieder den Faust. Ich denke immer, ich kenne das Stück nicht gut genug, aber der Deutschunterricht war nicht vergebens, fast alles ist irgendwie präsent bis in einzelne Worte oder Begriffe ("Gretchenfrage" . . .).
Was mir diesmal auffiel: Goethes notorische Gutgestimtheit. Innerlich kann ihn nichts wirklich umstossen. Die Verzweiflungen seines Spiegelbildes Faust werden immer aufgewogen durch dessen Alter Ego Mephisto.
Goethe hatte bekanntermaßen nur gearbeitet, wenn es ihm leicht fiel, sonst lieber eine Pause eingelegt. Für Schillers übermenschliche Disziplin hatte er nur Kopfschütteln übrig und machte sie mittelbar verantwortlich für den frühen Tod des Freundes.
Ich hatte Goethes Gemüt lange der Tatsache zugeschrieben, dass er Hesse war. Nachdem ich neulich aber Dichtung und Wahrheit las, denke ich, seine Mutter ist die Verantwortliche. Goethe hatte eine Mutter, die ihn für den größten hielt. Ähnlich Freud. So eine Mutter garantiert ein ungebrochenes, Welt und Wahrheit zugewandtes Selbstbewusstsein.
Goethes Mutter war sehr kindlich, nicht unähnlich seiner späteren Frau, die von ihrer Schwiegermutter mit dem Term (in heutiger Sprache) "Betthase" belegt wurde.
Schopenhauer hatte dagegen eine sehr kalte Mutter, die einem älteren Ehemann verkuppelt worden war, den sie nicht liebte. Heute hätte sie nicht mehr geheiratet, wäre eine bekannte Professorin, womöglich Ministerin o. ä. geworden. Trotzdem hielt sie ihren Sohn, weil er eben von ihr war, für ein Genie. Was zumindest Schopenhausers - pessimistischer - Philosophie einen gewisse Wohlgenährtheit verlieh.
Als komplizierteste ist mir Katharina, die Mutter Johannes Keplers, in Erinnerung, eine Gastwirtstochter und Kräuterfrau, die später der Hexerei angeklagt wurde. Ihr Sohn verbrachte einen Gutteil seiner Gelehrten-Existenz damit, sie aus den hochkomplizierten Prozessen von damals zu lösen und vor dem Scheiterhaufen zu bewahren. Sein Bruder hing noch mit 40 Jahren am Schürzenband der Mutter.
Kepler hätte die schleifenartigen Bewegungen der Planeten am Himmel wohl nicht als Audruck von Ellipsenbahnen deuten können, denke ich manchmal, wenn er nicht schon sehr früh Sinn in die Vorgänge seiner schizoiden Mutter zu lesen gezwungen gewesen wäre.
Ein anderes, hochkompliziertes Mutterverhältnis beschreibt Moritz in seinem autobiographischen Roman Anton Reiser, den manche für den besten deutschen Roman, besser als Wilhelm Meister, halten.
Goethe kannte Moritz, nannte ihn seinen "Bruder", aber sie waren sehr unterschiedliche Naturen. Ich spekuliere manchmal, Goethe ahnte, dass ihm die Tiefe eines Moritz abging, die nur zu haben war durch eine glücklose Kindheit.
Houllebecq - auch so ein Autor, der zehrt von der Abwesenheit der Mutter.
Die (nicht besonders originelle) These im Hintergrund meiner Überlegungen: dass sich alles Entscheidende von dem besonderen Verhältnis zur Mutter ableiten lässt bei Autoren und wohl auch Lesern. Wer eine kühle Mutter hatte, wird Anton Reiser für einen besseren Roman halten. Und es wird diesen Roman krank finden, wer eine "Goethe-Mutter" innehatte.
Der Faust ist und bleibt deswegen für mich ein rücksichtlos optimistisches Gedicht, spielt nur mit dem Horror, erlebt ihn aber nicht. Es sei denn man schnitte die Gretchen-Tragödie heraus und machte sie zu einem selbstständigen Werk. Jelinek würde das wahrscheinlich bringen, aber der fröhliche Brocken Goethe ragt gewaltig und dürfte selbst sie einschüchtern.
P. S. Der Faust ist eine Komödie, wie Dantes "Göttliche Komödie", indem er auf ein Gelingen hinausläuft.

WARUM DER GESELLSCHAFTLICHE ABSTIEG ENTSTIGMATISIERT GEHÖRT oder FRAUEN MIT KÖPFCHEN: HEIRATET MEHR DUMME MÄNNER!



Die erstaunlichsten Funde ergaben, wie ich gestern in Largos "Das passende Leben" (Frankfurt 2017 S. Fischer) nachlas, die Zürcher Longitudinalstudien über die kindliche Entwicklung.

Sie wurden 1954 von Andrea Prader und Guido Fanconi initiiert. In diesen Studien wurden seit 1954 bei mehr als siebenhundert Kindern die Entwicklung von der Geburt bis ins Erwachsenenalter untersucht. Mitte der 1970er Jahre übernahm Remo H. Largo die Leitung der Studien.

Die Zürcher Longitudinalstudien haben eine grosse internationale Ausstrahlung und gehören zu den umfassendsten Studien über die kindliche Entwicklung.

Hier die 2 Ergebnisse, welche mich am meisten verblüfften.

1) Kinder sind einem Elternteil mehr fremd als verwandt, ähneln ihm zu höchsten 25 - in der Regel nur um die 15-20%

2) Bei der Vererbung von Anlagen verfängt die "Regression zur Mitte" = große Eltern erzeugen Kinder, die kleiner, und kleine Eltern Kinder die größer sind als sie - dasselbe gilt für die Intelligenz.

Es werden mit anderen Worte zwei "dumme" Eltern immer Kinder mit einem IQ zeugen, der über dem ihren liegt - und umgekehrt.

Der zweite Fall führt zu schweren seelischen und gesellschaftlichen Verwerfungen.

Aus folgendem Grund:

Ein Mann und seine Frau steigen gesellschaftlich umso leichter auf, je intelligenter sie sind. Sie haben aber - kraft der Regression zur Mitte - auf jeden Fall weniger intelligente Kinder. Für solche wird die Schule zum Martyrium, und sie werden, falls sie diese schaffen dank endloser Nachhilfestunden und Sonderinternaten, doch niemals das Selbstbewußtsein ihrer Eltern entwickeln.

Soviel zum seelischen Schaden.

Der gesellschaftliche geschieht durch das Einpflegen solch innerlich gebrochener Existenzen in irgendwelche Führungspostionen durch die Machtmittel ihrer Eltern.

Von da aus richten sie dann schweren wirtschaftlichen Schaden an und blockieren Fühungspositionen für die per Voreinstellung intelligentern Kinder weniger mächtiger Eltern.

Der gesellschaftliche Schaden - immerns!

Schon Plato empfahl dagegen im Staat die "Lüge des Sokrates" - so:

"Ihr seid alle Brüder", soll den Menschen erzählt werden, "den geborenen Herrschern unter euch aber ist wertvolles Gold beigemischt, den Kadern Silber, den übrigen Eisen und Erz. Meist werdet ihr euch ähnliche Kinder erzeugen, manchmal aber auch aus Gold einen silbernen Nachkommen, aus Silber einen eisernen und so fort. Immer sollen deswegen die Herrscher auf ihre Nachkommen achten: falls einer eisenhaltig ward, gehört er unters Volk. Wird aus dessen Mitte aber ein gold- oder silberhaltiger geboren, gehört er unter die Kader oder Herrscher." Denn es sei wissenschaftlich erwiesen, dass ein Gemeinwesen untergehe, wenn sich Eisen und Erz seiner bemächtigen. - Wird irgendjemand diese Lüge glauben?

Wie die Zürcher Longitudinalstudien beweisen, irrt Plato mit "Meist werdet ihr euch ähnliche Kinder erzeugen" - heißen müsste es vielmehr "Meist werdet ihr euch unähnliche Kinder erzeugen . . ." Der Rest - verfängt!

Was es noch sehr schwer macht, der hiermit beschriebenen Herausforderug beizukommen, ist die Stigmatisierung des gesellschaftlichen Abstiegs. Es darf eben für eine Akademikerfamilie keinen Gesichtsverlust mehr bedeuten, wenn die Tochter Friseuse oder der Sohn Bademeister wird. Ausschlaggebend für beider und infolge unser aller Glück ist, in welchem Beruf sie sich am sichersten fühlen. (In Betroluccis Der Letzte Kaiser wird die Hauptfigur schließlich zufrieden als Gärtner.)

P. S. Fatal ist infolgedessen die Tendenz der auftrebenden Frauen, nur Partner attraktiv zu finden, welche intelligenter sind als sie selber - weil solchen Verbindungen, wenn sie denn zustande kommen, mit großer Sicherheit Kinder entspringen werden, welche beide Eltern enttäuschen. Besser wäre, den dümmeren Lebenspartner, den manche kluge Frau sich "aus Not" dann doch gewählt hat, als die Chance zu erkennen, klügere Kinder zur Welt zu setzen. Denn indem der "Notendurchschnitt" der Eltern sinkt, erhöht sich jener der Kinder.

Verkomplizieren . . .

. . . erhöht offenbar die Kompetenz, welche man einem Autor zutraut. Hegel war wesentlich populärer als Schopenhauer, der klares Deutsch schrieb. Derrida oder Lacan sind unverständlich, trotzdem wird ihnen mehr Autorität zugebilligt als ordentlich schreibenden Philosophen wie z. B. Quine. Auch Trump redet unanalysierbares Zeug, was seinen Nimbus eher oder überhaupt erst ins Unendlich steigert. Ein unverständlicher Text hat hypnotische Wirkung, indem die Zuhörer seinen Inhalt selbst apportieren müssen. Worin aber besteht dieser Inhalt? Im Eindruck, welchen man von dem Sprecher hat. Wenn dieser nur bestimmt genug vorangeht, verfängt die Eltern-Übertragung, und man folgt ihm - überall hin. (Die Eltern hatte man auch nie verstanden, ihnen alles nachgemacht.) Wenn du Macht erlangen willst - rede undeutlich und kompliziert! Ich füge einen Interviewabschnitt mit Derrida an, in welchem er sich gegen "amerikanische Gewohnheit" wehrt, deutlich zu werden. Nur so und mit der unbedingten Autorität, die er dabei ausstrahlt, kann er den hypnotischen Sog behaupten, welcher von der Leere ausgeht, die seine Worte umkreisen. https://youtu.be/u2j578jTBCY

Abrichtung der Flüchtlinge . . .


. . . auf deutsche Normen - man schrickt spontan zusammen bei solchen Worten, denkt an Gehirnwäsche u. ä. m. - " . . . prenant les hommes tels 'qu'ils sont, et les lois telles qu'elles peuvent être" beginnt Rousseau seinen Gesellschaftsvertrag & darin wurzeln die Schwierigkeiten: "wenn man die Menschen nimmt, wie sie sind, und die Gesetze, wie sie sein können . . ." - denn Rousseau leitet, was unser Zusammenleben regelt, aus dem einzelnen Menschen ('wie er ist') ab. "Die Würde des Menschen ist unantastbar", nimmt unser Grundgesetz diesen Gedanken als wichtigsten mit seinem ersten Satz auf. Dabei wird unterstellt, wir würden mit dem, was uns zu Menschen macht, geboren - im Hinblick auf das Wesentliche also weder erzogen oder geformt. Vor allem Aristoteles sah das ganz anders: dass wir als Menschen nicht uns die Gesetze schneidern, sondern durch diese - bereits bestehenden - überhaupt erst zu Menschen (gemacht) werden. Der Unterschied könnte nicht größer sein. Rousseau (und wir mit ihm, denn wir sind Kinder der Aufklärung) sagt: der Mensch schafft die Gesetze entsprechend seiner Natur (diese hätte mit anderen Worten auch ohne sie Inhalt) - Aristoteles dagegen: die Gesetze geben dem Menschen erst Inhalt und Wesen. Wenn Rousseau Recht hat, sind die Menschen überall auf der Welt gleich; wenn Aristoteles Recht hat, unterscheiden sie sich entsprechend der Gesetze oder Gewohnheiten, nach welchen sie abgerichtet wurden (diese wiederum wären eine Funktion der Umgebung, deren Verläufe sie regeln, in der Wüste also anders als im Dschungel oder einer Großstadt - vergleichbar der unterschiedlichen Flora|Fauna). - Entsprechend wären die Flüchtlinge entweder als uns im wesentlichen gleich - oder von uns verschieden aufzufassen, dann derselben Abrichtung bedürftig, die uns zu den Wesen machte, welche unsere Gesellschaft bilden. (Ich neige zur Auffassung des Aristoteles, da sie besser erklärt, warum es so unterschiedliche Sprachen gibt.)

Burka

Ich bin nicht dafür, hier allzuviel zu verbieten, würde nur die Erkennbarkeit des menschlichen Gesichtes im öffentlichen Raum vorschreiben. Alles andere muss man zulassen, wenn man selber in Ruhe gelassen werden möchte.
Die demonstrative Körperverhüllung als Geste, ausgeübt von egal welcher Religion, möchte ich mit anderen Worten nicht verbieten, schätze aber auch nicht deren Anmut (oder "Ab"mut), da ich die Zurückdrängung des Leibes für eine Form der Verzweiflung, sogar "Sünde" halte, mit der jede Person, die sie begeht, uns als Menschheit herabzieht und für die sie - in einem höherem Sinn - auch einmal "zur Rechenschaft gezogen" werden könnte.
Ich habe mit anderen Worten, so absurd es sich auf Anhieb anhört, "religiöse" Bedenken. Wie ich ja etwa auch glaube, dass die Magersucht keine psychologische Wurzeln hat, sondern versucht, eine existentielle Herausforderung durch Ausblendung des Leibes zu lösen.
Worin besteht die "existentielle Herausforderung"? In der Unversöhnlichkeit von "Körper und Geist", der Tatsache, dass wir als Menschen ausgelegt sind aufs Immerwährende und doch sterben müssen.
Die asketische Antwort auf dieses Dilemma besteht in der Behauptung: "Ich habe keinen Körper" (kann deswegen also auch nicht sterben). Viele Religionen und Philosophien ermutigen diesen Weg der "Entwerdung", der aber nicht gelingen kann und, wo er Erfolg zu haben scheint, etwas Unmenschliches (Skelettartiges) versprüht.
Von hier kommen meine Bedenken, auch mein Widerwille gegen jede Handhabung des Körpers, die ihn nicht herausstellen, sondern zum Verschwinden bringen soll. Es liegt - für mich - darin etwas Unanständiges, Vermessenes, vom "Willen des Schöpfers" Abgefallenes.
Beheben kann man dergleichen "Sünde" nicht durch Regeln mit Strafen menschlicher Gesetzgebung, sondern nur durch die Geduld, die nötig ist gegenüber seelisch Erkrankten, Verständnis für ihr Dilemma und ein vorsichtiges Zeigen des Ausweges.

Mörderinnen

Der Impuls, das eigene Kind umzubringen, ist verbreiteter, als allgemein angenommen, wenn man sich nur länger mit einer erfahrenen Hebamme unterhält. Meine eigene Mutter hatte es mir einmal fröhlich gestanden, da sie es kaum fertig brachte zu lügen, einer ihrer besseren Charakterzüge. Am gespenstischsten aber erfuhr ich diese Wahrheit in meiner Jugend auf einer Bahnfahrt, die bis heute in meinem Gedächtnis stattfindet. Damals war Interrail angesagt. Wir durchquerten mit Rucksäcken Europa vom Nordkap bis hinein nach Marokko. Marrakesch! Statt in Hotels schlief man oft im Zug, das war mit der Netzfahrkarte kostenlos. Ich erinnere mich, während des Paris-séjour abends immer nach Limoges gefahren, dort gegen drei Uhr nachts ausgestiegen zu sein und den Rest der Nacht im Zug zurück nach Paris geschlafen zu haben. Zum Frühstück war man zurück. Irgendwann in dieser Zeit landete ich in einem Nachtexpress ins damalige Jugoslawien, in einem Abteil mit einer dicken jungen Mutter und drei Kindern, einem zehnjährigen, einem vierjährigen Jungen und einem Säugling, der an ihren gewaltigen Brüsten hing, die ihm ohne weiteres hätten die Luft abdrücken können. Die junge Mutter beschrieb mir, wie sie sich das manchmal ausmalte. Aber der Säugling war in Sicherheit, ebenso der Vierjährige, ein fröhlicher Sonnenschein, der mich öfters auf meiner obersten Liege besuchte. Der Schwarzen Peter war beim Ältesten, für den die Mutter nur Verachtung übrig hatte. Er strahlte inzwischen etwas Äffisches aus, versuchte unentwegt mit plumpen, schleudernden Bewegungen zustande zu bringen, was ihm ein bisschen Achtung einbringen sollte. Aber er stießt dabei nur an oder etwas um und zog sich noch mehr Groll zu. Es war hoffnungslos. Und wenn er seinem kleinen Bruder nachkletterte auf meine Liege, um etwas von meinem Zurücklachen abzubekommen, befremdete er mich ebenfalls, tat mir zugleich leid, wie ein Bettler, den man mit Kleingeld loswerden möchte. Schließlich stellte er eine weitere Eselei an, und die Mutter sagte: "Jetzt reicht's. Du kommst ins Heim." Ihre Worte haben sich mir eingeprägt wegen des Gesichtsausdrucks des Sohnes. Er war noch zu jung, um ihren Bluff zu durchschauen, und alles brach in ihm zusammen. Die Vorstellung, von dieser Mutter und seinen Geschwistern, um deren Achtung er unentwegt kämpfte,  getrennt zu werden, stürzte ihn in eine tiefe, untröstliche Verzweiflung. - Die Macht der Mutter ist so gewaltig, unbesiegbar, dass es nur zwei Film-Handlungen gibt, die es fertig bringen, sie als Widersacherin zuzulassen: die Schwarze Komödie und der Horrorfilm, denn jedes seiner Monster ist wesentlich "Mutter" (Name des Computers in Alien). Ich denke heute, dass Frauen in der Regel verträglicher sind als Männer, weil die unverträglichen ihre Kinder umgebracht haben und sich deswegen nicht  fortpflanzen konnten. Aber manchmal tauchen Mutationen auf, wenige zwar, aber es gibt sie. Und wehe dem dann, der auf sie angewiesen ist.  

No Brainer

Am Rande einer Mini-Tagung an der Bilkent-Universität sprachen wir gestern bei Zigaretten auch etwas über Ursprung und Wesen der Begriffe bzw. den Sitz des Denkens. Die Wissenschaft hat ja herausgefunden, dass man ohne Gehirn denken kann. 

Hört sich unglaublich an, und man meint spontan, es sei ein Witz. Deswegen zitiere ich hierzu einen nicht-esoterischen Artikel, der die Belegung der These dokumentiert: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14319714.html 

Würden, erhellt aus dem beschriebenen Befund, die Köpfe von, sagen wir mal, 10.000 Menschen geöffnet, befände sich eine Anzahl darunter, die kaum oder kein Hirn enthalten, ohne dass ihre Besitzer deswegen außerstande wären zu denken. Der verblüffende Satz Wittgensteins "Welch ein Zufall, dass alle Personen, denen der Kopf geöffnet wurde, ein Gehirn hatten" verliert den Widersinn. 

Wenn aber der Ort des Denkens nicht das Gehirn ist, woselbst denken wir dann? 

In dem Nervenkostüm - unseres Körpers. 

Man kann das anhand der Rechner-Metapher erläutern: Computer "denken" mithilfe elektronischer Schaltungen, die auf irgendwelche Eingaben hin einen bestimmten Lauf vorantreiben. Dabei spielt der Speicher keine Rolle; ein Computer kann ohne Festplatte betrieben werden, nicht aber ohne Zentraleinheit. Das menschliche Gehirn gleicht nun nicht der Zentraleinheit, sondern der Festplatte. Es ist beim Menschen wohl oft so, dass, was zentral ist, sich in die "Festplatte" mischt, welche dann "mitdenkt". 

Das Entscheidende aber ist die Quelle der Begriffsbildung: wie wir also zu einem Bild der Welt kommen und diese|s handhaben können. Es geschieht offenbar vermittels des Körpers und seiner Organe: wir werden oder sind handelnd, in körperlicher Auseinandersetzung mit unserer Umgebung, klug. Selbst die Mathematik ist so gesehen eine Weiterung - der Beeindruckung - unseres Nervenkostüms.

Leitwerte

Rechtsstaatlichkeit, Fairplay, Rechte des Individuums, Beschränkung der Staatsgewalt, Verbindung von Individualismus und Gemeinwohlorientierung, Meinungsfreiheit (inklusive Religionsfreiheit), Arbeitsethos, Orientierung am Fortschritt, Ausbildung von Vertrauen, Wertschätzung von Bildung und Erziehung. Ein wichtiges, wenn nicht das entscheidendes Element ist dabei das Vertrauen. Es gibt, wie empirische Vergleiche verschiedener Länder zeigen, eine enge Korrelation zwischen dem Ausmaß von Vertrauen und der ökonomischen Effizienz. Das Maß des Vertrauens ist ein Maß der Zivilisiertheit und Leistungsfähigkeit. Im Jahr 2000 beantworteten 67 % der Dänen und 66 % der Schweden die Frage, ob man den meisten Menschen vertrauen könne, mit ja, aber nur 3 % der Brasilianer. Kooperationsbereitschaft und Vertrauen erleichtern den gesellschaftlichen Umgang, und im ökonomischen Sinn verringern sie die Transaktionskosten, was die Bereitschaft zur arbeitsteiligen Kooperation verstärkt. Hier komme ich auf Afrika zurück, das ich aus eigenem Erleben kenne. Der "Vertrauenspegel" liegt hier unterhalb 1%, sobald man die sozialen Einheiten Familie | Stamm verlässt. Ähnliche Verhältnisse erlebte ich in der Südsee mit einer interessanten Reaktion der früheren Kolonialmacht Frankreich, die in ihren überseeischen Territorien wie folgt verfährt: die Bevölkerung regiert sich mit selbstgewählten Organen - Ausnahme: Polizei, Rechtsprechung und Schulsystem. Gendarmen, Richter und Lehrer kommen aus Frankreich oder müssen französischen Standards genügen. Ein ähnliches Modell könnte angebracht und förderlich sein für Afrika, angefangen z. B. mit den Maghreb-Staaten: Einführung einer funktionierenden Judikative, unbestechlichen Polizei und kostenlosen Grundschulung als Bedingung für die Gewährung substantieller Entwicklungshilfe. Könnte mir vorstellen, dass es solche Überlegungen in Frankreich sogar gibt, sie hierzulande aber - mangels Kolonialerfahrung - falsch verstanden würden. Wenngleich wir doch mit der ehemaligen DDR im Grunde nicht anders verfuhren. Die meisten Deutschen kennen das Ausland, wenn sie auch viel reisen, nicht gut genug, um eine zutreffende Vorstellung davon zu haben, wie die Gemüter und Loyalitäten in Ländern geregelt sind, denen es nicht wie Korea, Japan, Taiwan oder demnächst hoffentlich Festlandchina und Indien gelang, das europäische Modell zu adaptieren (fängt schon bei Russland an, dann Afrika mit wenigen Ausnahmen, das ehemalige osmanische Reich usf.) und halten die von dort nun zu uns strömenden Flüchtlinge zumindest potentiell für "Staatsbürger". Wessen es dazu bedarf, ist aber das Ergebnis eines jahrelangen Abrichtungsprozesses durch Familien, Kindergärten, Schulen, Fernsehen, öffentliche Meinung und deren Träger, den die Flüchtlinge nicht mitbekommen haben (sie können sich z. B. nicht richtig vorstellen, nicht aus Dummheit, sondern mangels Erfahrung bzw. Übung, wie man sich einem Polizisten, geschweige Richter bei uns nähert). Eine wichtige, wenn nicht die wichtigste Voraussetzung der europäischen Entwicklung war die Zerschlagung von tribalen Strukturen durch die Staaten der frühen Neuzeit, was eine elementare Vorbedingung des Nationalstaats bildete, der zum institutionellen Zentrum der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wurde: Zentralisierung der Herrschaft und der damit verbundenen Auflösung intermediärer Gewalten, also von Stämmen, Clans, Großfamilien, Personenverbänden und Klientelsystemen aller Art. Das Ideal des Nationalstaats als Rechtsstaat ist die Staatsunmittelbarkeit des Individuums (»gleiches Recht für alle«) und die Durchsetzung eines staatlichen Gewaltmonopols mit ausdifferenzierten Erzwingungsorganen (Polizei, Armee). Dieser Nationalstaat vereinheitlicht wichtige infrastrukturelle Elemente: Geld, Recht, Sprache, Verwaltung, Verkehrswesen, Staatsangehörigkeit. Er wird damit zum Dienstleister einer komplexen marktwirtschaftlich-industriellen Ökonomie, etwa auf dem Feld der Rechtsplege (Zivilprozeß statt Fehde). Um diese Leistungen erbringen zu können, muss eine zentrale, von oben nach unten durchstrukturierte Verwaltung errichtet werden, die den Ansprüchen bürokratischer Rationalität genügt (gegen Korruption und Klientelwesen). Ein zentrales Element dessen ist auch eine einheitliche, rechtsförmige und kalkulierbare Besteuerung. All dies ist jemandem, der nicht jahrelang damit groß geworden ist, so wenig unmittelbar einleuchtend wie unsereinem, sagen wir mal, der Brauch der Genitalverstümmelung. Unser Ideal des "gleichen Rechts für alle" schließt jeden Menschen ein auf dieser Welt, auch jene Mehrheit, die es gar nicht versteht und die Welt ganz anders sieht und gestaltet (etwa hier gerade zu beobachten in den Flüchtlingsheimen, wo nicht eingeschritten wird). Wir verstehen selber auch zu wenig, wie unsere "Freiheit", auf die wir uns soviel zu Gute halten, einem jahrelangen Erlernen der Muster entspringt, in denen sie sich dann entfaltet, wie wenig spontan sie mit anderen Worten ist, deswegen zähe und unter ständiger Strafandrohung erlernt werden muss. Wir können den Neubürgern nicht die Abrichtung ersparen, die wir selber erfahren (in der Regel vergessen) haben. Vielleicht tragen wir sie aber auch mehr noch und vorbeugend, mit dem Bewusstsein des durch sie bestimmten Selbst in jene Gegenden der Welt, welche ihnen aus eigener Kraft nicht zur Geltung zu helfen vermögen, ihr Interesse an Partizipation aber mittelbar kundtun durch die Entsendung hoffnungsvoller Teilnehmer an unserer Ordnung und ihren Früchten. Wer andererseits unseren Staat und seine Mittel nicht als Schöpfer, sondern Zwingherrn des modernen Individuums begreift, dem bleibt immerhin zu hoffen, dass die Zersetzung herrschender Verhältnisse - auch in Folge der Aufnahme ihnen entgegengesetzter Strebungen (Rückkehr zu tribalen Strukturen) - neue oder endlich Freiräume schafft. Persönlich halte ich diese Möglichkeit - der "Retribalisierung" - für nicht mal die unwahrscheinlichste, denn sie liegt im Trend, der sich zeigt in der endemischen Verächtlichmachung von Staat und Politik sowie deren Vertretern - bis hin neuerdings zum privatisierungsbesessenen Vormarsch der AfD, die unter völkischem Vorwand den Staat und seine Mittel gänzlich scheint abschaffen zu wollen (cf. in USA auch Trump).

Werde du selbst!

Dieser Slogan hat mich stets etwas hoffnungslos gemacht. Ich wusste nie, wie ich darauf antworten konnte. Die impraktikable Forderung geht, zumindest in ihrer generellen Verwendung, zurück auf das sokratisch-platonische Verständnis des Lernens als "Wiedererinnerung" (cf. MENON). Beratung, z. B. in der Schule als Unterricht oder im therapeutischen Gespräch, wird infolgedessen verstanden als Hebammenkunst = Hilfe zur Selbstfindung: aus dem Schüler wird herausgelockt, was angeblich bereits tief in ihm liegt. Selbst zu denken heißt, das zu berühren, zu erinnern, was "immer schon in dir" steckt. Wahr ist danach nur, was wir selber machen (können). - Schauen ich mir andererseits meinen Leib an: es gibt nichts an ihm, das nicht vorher durch den Magen gegangen wäre. Meine Besonnenheit sollte dagegen keine Weiterung sein äußerer Einflüsse? Ich finde es viel weniger beunruhigend, mir vorzustellen, dass alles, was sich in meinem Gemüt befindet, durch irgendwelche sinnlichen Kanäle dort hineingelangt ist. Um mein Bewusstsein zu erweitern, müsste ich dann nicht in meinem "innersten Selbst" herumsuchen, sondern einfach nur neue Erfahrungen machen, einen neuen Sport lernen (hab' mich gerade zu einem Rückenschwimm-Kurs angemeldet!), eine weitere Sprache . . . Was gäbe meinem Selbst in dem Fall inneren Zusammenhalt: wenn es durch nichts als Erfahrung sich "aggregiert", die ja prinzipiell niemals aufhört? "Selbst" müsste dann eigentlich in dem liegen, was mich sinnlich anspricht. Viele Filmschauspieler begreifen erst bei der Uraufführung, wenn sie das ganze Werk sehen, was es mit ihrem Charakter oder dargestellten Selbst auf sich hat(te). Vorgezeichnet liegt es, wenn schon, nicht in der Figur, sondern in deren Geschichte. Ich fände es daher viel weniger verwirrend anstelle von Sei du selbst! gesagt zu bekommen: Spiel (d)eine Rolle! Oder besser noch: Lass dich ansprechen!

Die Wahrheit ist immer auch eine Modeerscheinung

Jede Zeit hat ihre eigene göttliche Art von Naivetät, um deren Erfindung sie andre Zeitalter beneiden dürfen: – und wie viel Naivetät, verehrungswürdige, kindliche und unbegrenzt tölpelhafte Naivetät liegt in diesem Überlegenheits-Glauben des Gelehrten, im guten Gewissen seiner Toleranz, in der ahnungslosen schlichten Sicherheit, mit der sein Instinkt den religiösen Menschen als einen minderwerthigen und niedrigeren Typus behandelt, über den er selbst hinaus, hinweg, hinauf gewachsen ist, – er, der kleine anmaassliche Zwerg und Pöbelmann, der fleissig-flinke Kopf- und Handarbeiter der »Ideen«, der »modernen Ideen«! NIETZSCHE Jenseits von Gut und Böse 58

Horrorfilme als Quelle der Moral

Ich wüsste nicht, dass ich bereits Krebs hätte, rechne aber fest damit, irgendwann daran zu sterben. Nach allen Fachbüchern, die ich zu dem Thema las, scheint Krebs unabwendbar, eine Weiterung der Evolution. Wir Vielzeller sind auch heute noch von unendlich viel mehr Einzellern umgeben, die das Wagnis des Zusammenschlusses scheuten. Denn sein Preis ist die Möglichkeit des Krebses. Deswegen ist unser Leben tragisch. Aber wie sähe es ohne Krebs aus? Wie das von Einzellern! Wenn andererseits wir alles haben könnten problemlos durch Wollen und ewig lebten - wären wir keine Geschöpfe mehr, sondern Gott. Nur im Beschränktsein liegt das Kreatürliche: im "Krebs". Die Wissenschaft vermisst unsere Welt als das, was nicht bestehen muss ("kontingent" ist), und viele metaphysische Schlaumeier gefallen sich im Hegen der Fantasie, solche Schöpfung sei drum nicht der Rede wert. Und doch zerreißt es dir und mir das Herz, wenn etwas oder jemand, an dem wir hingen, aufhörte zu existieren. So ist es gerade die Möglichkeit des Todes, welche unser Denken und Muten in immer empfindlichere Höhen treibt - und entspringt der Beschränktheit nicht nur unser Leiden, sondern auch, dass wir s i n d. Als menschliche Wesen können wir das Entsetzliche nicht tilgen; andererseits steht es sehr wohl in unserer Macht, es nicht zu vermehren. Ein guter Mensch ist jener, der dem Leiden mit Würde begegnet und davon absieht, es spontan zu vergrößern. Es ist diese Polarität zwischen unseren Möglichkeiten, dem Unglück etwas oder nichts hinzuzufügen, welche den Maßstab liefert für ein mehr oder weniger erfülltes Dasein. Personen, welchen der Sinn des Lebens abhanden gekommen ist, die nicht mehr wissen, was sie noch tun sollen, haben diese Möglichkeit - dem Unglück nichts hinzuzufügen - aus den Augen verloren. Das Gute ist folglich nicht möglich ohne das Böse, dem gegenüber es sich erhebt, und es gibt nicht Bedeutendes ohne Polarität. Um etwas Entscheidendes aufzuweisen, bedarf die Schöpfung des Krebses. Und wenn die Menschheit immer mehr den Weg des Guten einschlüge, würde das Böse immer mehr zum Möglichen, das weiter leben muss in unseren Gemütern, damit sein Gegenüber nicht zusammenbricht. Dies ist der moralisch entscheidende Grund für die Notwendigkeit des Horrorfilms: weswegen er - zur moralischen Entwicklung - gefördert und nicht weiter dem Bereich des Niederen zugeschlagen werden sollten.

Frauen pflanzen sich eher fort

MELISSA A. WILSON SAYERS ist Professorin an der Arizona State University für Biologie; sie ist auch Mathematikerin, die sich für das Schicksal des Y-Chromosoms interessiert. In dem Interview hier beschreibt sie ihre Forschungen und das überraschende Ergebnis, dass wir - statistisch gesehen - "mehr Großmütter als Großväter" haben. Das ist intuitiv nicht gleich zu verstehen, ich illustriere es daher an einem Beispiel, welches sich einer Vereinfachung bedient: wenn in den letzten 5 Millionen Jahren 100 Kinder geboren worden wären, hätten diese 50 Väter und 100 Mütter. Oder: von 100 Männern und 100 Frauen haben im Laufe der Menschheitsgeschichte alle Frauen, aber nur die Hälfte Männer Kinder gehabt. Oder: die Väter hatten zwei Frauen - die Nicht-Väter keine. Dies sind "Gender"-Verhältnisse, welche Melissa aus dem Genom der Menschheit gerechnet hat. Männer (Träger des Y-Chromosoms) zerfallen infolgedessen in "Gewinner" und "Verlierer" in puncto Fortpflanzung. Das hat psychologische aber auch moralische Folgen. Etwa wirft es die Frage auf, ob Frauen, wenn sie Gleichstellung anstreben, diese im Hinblick auf männliche "Gewinner" oder "Verlierer" fordern. Natürlich werden sie die Gewinner meinen. Die Gleichstellung mit diesen soll der Gesetzgeber zuwege bringen. Wie aber, wenn die männlichen "Verlierer" Anrechte auf dasselbe Sponsoring seitens des Staates erhöben, um mit den "Gewinnern" gleichgestellt zu werden? - Die psychologischen Folgen wären, wenn sich Melissas Befunde erhärten, auch nicht ohne. Die Männer hätten dann entwicklungsgeschichtlich ein 50%-Aussicht, leer auszugehen, was die Chancen der angriffslustigeren erhöhen dürfte und insgesamt einen höheren Fortpflanzungstrieb motiviert, während die Frauen keinen "Gewinner" für sich reklamieren könnten, sondern tendenziell immer mit einer anderen teilen müssten. Was in beiden Lagern den Stress-Level erhöhen dürfte. - Auch scheint sich der Gedanke oder das Gebot der Gleichheit nicht aus der Entwicklungsgeschichte ableiten zu lassen, sondern ein eher ideologisches Konstrukt zu sein.

Hitler & Ich

Nach dem FFM-Modell der differentiellen Psychologie, das fünf Hauptdimensionen menschlicher Wesensart unterstellt, teile ich mit Hitler eine hohe Offenheit für Erfahrungen als Persönlichkeitsgrundzug. Was uns unterscheidet, ist das Ausmaß einer Hinsicht des Merkmals Gewissenhaftigkeit, welche Diätapostel und Magersüchtige mit Hitler teilen, nämlich EKEL. Mich ekelt auffallend weniger als meine Mitwelt, ich und wittere etwas Unmenschliches bereits in dem Wort "Hygiene". Hitler hatte keine Angst vor den Juden, sie widerten ihn an. Ich habe Menschen erlebt, die wechselten am Tag mehrmals die Unterwäsche und litten doch an Hautausschlag - während in Indien die Unberührbaren, die täglich in Exkrementen versinken beim Leeren oder Instandsetzen der Sickergruben oft eine samtweiche Haut haben. Ekel zeigt sich auch in der Verachtung, mit welcher andere Menschen gewahrt und behandelt werden. Niemand von uns ist frei davon, aber die Analge ist unterschiedlich ausgeprägt. Der Fall Hitlers legt nahe, dass die todbringenste Kombination der FFM-Merkmale jene von Ekel und Offenheit für Erfahrung ist.

Hamleta

Theater wurde ja ursprünglich nur von Männern gespielt, die deswegen auch alle Frauen darstellen mussten. Infolge solcher Übergänge kennzeichnen wahrscheinlich sogar einige der namentlich männlichen Shakespeare-Rollen im Grunde Frauen, z. B. Hamlet - so wie umgekehrt manche Frauenrollen, z. B. Penthesilea, eigentlich Männerseelen haben. Das stellte sich wahrscheinlich besser heraus, wenn man wieder auf die Tradition zurück käme, alle Rollen in einem Stück nur von einem Geschlecht, egal ob Männer oder Frauen, spielen zu lassen.

Zuviel Schule vertiert

Peter Gray, der Verfasser des Standardlehrbuchs für Psychologie-Studenten in den USA, ist ein Kritiker des IQ-orientierten Schulsystems, das statistisch belegbar immer mehr schwere seelische Störungen bei Kindern, später Erwachsenen produziert. Insbesondere mangelndes Einfühlungsvermögen und ständig zunehmenden Narzismus führt Gray auf zu langen Schulbesuch und zu wenig unbeaufsichtigtes Spiel zurück. Sein aufrührerischer, gegen den Strom argumentierender Artikel  - h i e r - mit einem humanen Ausblick. (Man merkt den hohen Grad unserer Gehirnwäsche.)

On over-rating the difference between one permanent situation and another

The great source of... misery... of human life, seems to arise from over-rating the difference between one permanent situation and another... Some... situations may... deserve to be preferred...: but none... can deserve to be pursued with that... ardour which drives us to violate the rules either of prudence or of justice; or to corrupt the future tranquillity of our minds, either by shame from the remembrance of our own folly, or by remorse from the horror of our own injustice. A. SMITH

Stop searching for your passion