Nackt hatte ich einst Beide gesehn, den grössten Menschen und den kleinsten Menschen: allzuähnlich einander, allzumenschlich auch den Grössten noch!
Von da an sind alle meine Schriften Angelhaken: vielleicht verstehe ich mich so gut als jemand auf Angeln? ... Wenn Nichts sich fing, so liegt die Schuld nicht an mir. Die Fische fehlten .
Wir aber wollen die werden, die wir sind, — die Neuen, die Einmaligen, die Unvergleichbaren, die Sich-selber-Gesetzgebenden, die Sich-selber-Schaffenden!
Im Grunde weiß jeder Mensch recht wohl, dass er nur einmal, als ein Unikum, auf der Welt ist und dass kein noch so seltsamer Zufall zum zweiten Mal ein so wunderlich buntes Mancherlei zum Einerlei, wie er es ist, zusammenschütteln wird: Er weiß es, aber verbirgt es wie ein böses Gewissen — weshalb?
Bei den allermeisten ist es Bequemlichkeit, Trägheit, kurz jener Hang zur Faulheit . . . die Menschen sind noch fauler als furchtsam und fürchten gerade am meisten die Beschwerden, welche ihnen eine unbedingte Ehrlichkeit und Nacktheit aufbürden würde.
Manche leben in Scheu und Demut vor ihrem Ideale und möchten es verleugnen: sie fürchten ihr höheres Selbst, weil es, wenn es redet, anspruchsvoll redet.
Die junge Seele sehe auf das Leben zurück mit der Frage: was hast du bis jetzt wahrhaftig geliebt, was hat deine Seele hinangezogen, was hat sie beherrscht und zugleich beglückt? Stelle dir die Reihe dieser verehrten Gegenstände vor dir auf, und vielleicht ergeben sie dir, durch ihr Wesen und ihre Folge, ein Gesetz, das Grundgesetz deines eigentlichen Selbst. . . denn dein wahres Wesen liegt nicht tief verborgen in dir, sondern unermeßlich hoch über dir, oder wenigstens über dem, was du gewöhnlich als dein Ich nimmst.
Im Schmerz ist soviel Weisheit wie in der Lust . . . dass er weh tut, ist kein Argument gegen ihn, es ist sein Wesen.
Wie? Das letzte Ziel der Wissenschaft sei, dem Menschen möglichst viel Lust und möglichst wenig Unlust zu schaffen? Wie, wenn nun Lust und Unlust so mit einem Stricke zusammengeknüpft wären, daß, wer möglichst viel von der einen haben will, auch möglichst viel von der andern haben muß – daß, wer das »Himmelhoch-Jauchzen« lernen will, sich auch für das »Zum-Tode-betrübt« bereit halten muß?
. . . darum muß ich erst tiefer hinab, als ich jemals stieg: tiefer hinab in den Schmerz, als ich jemals stieg, bis hinein in seine schwärzeste Flut! So will es mein Schicksal . . . Woher kommen die höchsten Berge? so fragte ich einst. Da lernte ich, daß sie aus dem Meere kommen. Dies Zeugnis ist in ihr Gestein geschrieben und in die Wände ihrer Gipfel. Aus dem Tiefsten muß das Höchste zu seiner Höhe kommen.
Ich schätze die Macht eines Willens darnach, wie viel von Widerstand, Schmerz, Tortur er aushält und sich zum Vortheil umzuwandeln weiß.
Wer wird etwas Großes erreichen, wenn er nicht die Kraft und den Willen in sich fühlt, große Schmerzen zuzufügen?
Solchen Menschen, welche mich Etwas angehn, wünsche ich Leiden, Verlassenheit, Krankheit, Mißhandlung, Entwürdigung, – ich wünsche, daß ihnen die tiefe Selbstverachtung, die Marter des Mißtrauens gegen sich, das Elend des Überwundenen nicht unbekannt bleibt: ich habe kein Mitleid mit ihnen, weil ich ihnen das Einzige wünsche, was heute beweisen kann, ob einer Werth hat oder nicht, – daß er Stand hält.
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SEX-ISMUS-DEBATTE
In den vielen Interviews, welche die öffentliche Meinung gerade informieren, von Betroffenen, ExpertInnen, fällt auffallend oft die Wortgruppe "immer noch" (Männer seien "immer noch", Frauen seien "immer noch" ...).
Dahinter steckt unausgesprochen die Annahme, die sexuellen Bedürfnisse der Geschlechter sollten aufeinander abgestimmt sein, das eine gäbe dann immer die gewünschte Antwort auf das andere.
Woher kommt diese Vorstellung? Aus der Erfahrung? Blicken wir da auf Verhältnisse zurück, deren Rückkehr wünschenswert wären?
Mir ist eine solche verlorene Vergangenheit weder privat noch aus dem Studium der Geschichte bekannt. Es kann mit anderen Worten nur besser werden.
Kann einen die Natur dabei unterstützen? Würd' es besser für alle Parteien, wenn die Menschen nur mehr noch dem folgten, was ihnen natürlich vorkommt?
Oder ist die Lage unversöhnlich, nicht vom Charakter der involvierten Einzelmenschen her, sondern grundsätzlich, der Natur der Sache nach - wie's imgrunde das Christentum fand, dessen Gründer daher von Sex abrieten (der hl. Origines ließ sich sogar kastrieren).
Könnt's sogar sein, dass die gleichgeschlechtlich Orientierten, die im übrigen zusammen mit den Abstinenten das Heer der Philosophen stellen, über ein befriedigenderes Sexualleben verfügen aus eben diesem Grunde als die Heterosexuellen jemals in der Lage waren oder sei werden zu haben?
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Sex
Schopenhauer über die Höflichkeit
Von der Höflichkeit, dieser chinesischen Kardinaltugend, habe ich den einen Grund angegeben in meiner Ethik S. 201: der andre liegt in folgendem. Sie ist eine stillschweigende Übereinkunft, gegenseitig die moralisch und intellektuell elende Beschaffenheit voneinander zu ignorieren und sie nicht vorzurücken; - wodurch diese, zu beiderseitigem Vorteil, etwas weniger leicht zutage kommt.
Höflichkeit ist Klugheit; folglich ist Unhöflichkeit Dummheit: sich mittelst ihrer unnötiger- und mutwilligerweise Feinde machen ist Raserei, wie wenn man sein Haus in Brand steckt. Denn Höflichkeit ist, wie die Rechenpfennige, eine offenkundig falsche Münze: mit einer solchen sparsam zu sein, beweist Unverstand: hingegen Freigebigkeit mit ihr Verstand. Alle Nationen schließen den Brief votre très-humble serviteur, - your most obedient servant, - suo devotissimo servo: bloß die Deutschen halten mit dem "Diener" zurück, - weil es ja doch nicht wahr sei - ! Wer hingegen die Höflichkeit bis zum Opfern realer Interessen treibt, gleicht dem, der echte Goldstücke statt Rechenpfennige gäbe. - Wie das Wachs, von Natur hart und spröde, durch ein wenig Wärme so geschmeidig wird, dass es jede beliebige Gestalt annimmt; so kann man selbst störrische und feindselige Menschen, durch etwas Höflichkeit und Freundlichkeit, biegsam und gefällig machen. Sonach ist die Höflichkeit dem Menschen, was die Wärme dem Wachs.
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, dass wir allen Leuten die größte Achtung bezeigen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. - Höflichkeit mit Stolz zu vereinigen, ist ein Meisterstück.
Wir würden bei Beleidigungen, als welche eigentlich immer in Äußerungen der Nichtachtung bestehen, viel weniger aus der Fassung geraten, wenn wir nicht einerseits eine ganz übertriebene Vorstellung von unserm hohen Wert und Würde, also einen ungemessenen Hochmut hegten, und andrerseits uns deutlich gemacht hätten, was, in der Regel, jeder vom anderen, in seinem Herzen, hält und denkt. Welch ein greller Kontrast ist doch zwischen der Empfindlichkeit der meisten Leute über die leiseste Andeutung eines sie treffenden Tadels und dem, was sie hören würden, wenn sie die Gespräche ihrer Bekannten über sie belauschten! - Wir sollten vielmehr uns gegenwärtig erhalten, dass die gewöhnliche Höflichkeit nur eine grinsende Maske ist: dann würden wir nicht Zeter schreien, wenn sie einmal sich etwas verschiebt, oder auf einen Augenblick abgenommen wird. Wann aber gar einer geradezu grob wird, da ist es, als hätte er die Kleider abgeworfen und stände in puris naturalibus da. Freilich nimmt er sich dann, wie die meisten Mensche in diesem Zustande, schlecht aus.
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Philosophie
Glaube anderen . . .
. . . immer, was andere über sich, nie jedoch, was sie über dich sagen.
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Lebensklugheit
Spontaneität ist nicht alles
Wenn das Muster komplizierter und kunstvoller wird, darf man sich nicht einfach treiben lassen.
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Philosophie
Eckermann "Gespräche mit Goethe"
Aber wissen Sie was? Die Welt soll nicht so rasch zum Ziele, als wir denken und wünschen. Immer sind die retardierenden Dämonen da, die überall dazwischen- und überall entgegentreten, so daß es zwar im ganzen vorwärts geht, aber sehr langsam. Leben Sie nur fort, und Sie werden schon finden, daß ich recht habe.
Die Entwickelung der Menschheit, sagte ich, scheint auf Jahrtausende angelegt.
Wer weiß, erwiderte Goethe, vielleicht auf Millionen! Aber laß die Menschheit dauern so lange sie will, es wird ihr nie an Hindernissen fehlen, die ihr zu schaffen machen, und nie an allerlei Not, damit sie ihre Kräfte entwickele. Klüger und einsichtiger wird sie werden, aber besser, glücklicher und tatkräftiger nicht, oder doch nur auf Epochen. Ich sehe die Zeit kommen, wo Gott keine Freude mehr an ihr hat, und er abermals alles zusammenschlagen muß zu einer verjüngten Schöpfung. Ich bin gewiß, es ist alles danach angelegt, und es steht in der fernen Zukunft schon Zeit und Stunde fest, wann diese Verjüngungsepoche eintritt. Aber bis dahin hat es sicher noch gute Weile, und wir können noch Jahrtausende und aber Jahrtausende auch auf dieser lieben alten Fläche, wie sie ist, allerlei Spaß haben.
Goethe war in besonders guter, erhöhter Stimmung. Er ließ eine Flasche Wein kommen, wovon er sich und mir einschenkte.
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Virtuelle Realität
Der misnomer schlechthin! Unsere Gegenwart verfügt über viel zuviel Energie | Material um "virtuell" sein zu können. Nur wer geringe Chancen hat, seine Ideen im dreidimensionalen Raum zu materialisieren, und daher in einer Welt der Konzepte, Entwürfe und Ideen verharrt, lebt und handelt "virtuell". Wie z. B. jene intelligenten Vorfahren, die "ums Lagefeuer" saßen und "Geschichten erzählten". Sie hatten kein anderes Mittel als die Sprache, um wahr werden zu lassen, was sie sich vorstellten = konnten es nicht in Filme, Bauten oder Waren umsetzen. Ihre naturale Umgebung oder kulturellen Artefakte waren gegenüber dem Reichtum der Vorstellung viel begrenzter, schlichter, als sie es gegenwärtig sind. Heute kann und muss alles gleich wirklich, greifbar sein oder werden. Die ständig sinkenden Kosten stofflicher Umsetzung ermöglichen die Verwirklichung selbst des simpelsten Einfalls, und kursorische Vorstellungen materialisieren sich augenblicklich zu Artefakten, die nur schwer wieder zu entfernen sind aus unseren Landschaften, Museen, Bibliotheken oder FB-Nachrichtenströmen, die sie verstopfen. Wir leben im nicht radikaler denkbaren Gegenteil einer virtuellen Welt. Überall versperren uns realisierte Vorstellungen den Blick, Geschmack, Distinktion, Konformität oder Protest signalisierend. Jede mentale Regung wird rücksichtslos - schon im Kindergarten - in materielle Gegenstände umgesetzt und erzeugt ein Übergewicht an physischen Artefakten, welches die Fähigkeit betäubt, sich rein etwas vorzustellen oder Eindrücke zu unterscheiden, die mit einer geringfügigen Mobilisierung von Stoffen einhergehen. Nur die mangelnde bzw. abhanden gekommene Ahnung vom wahren Wesen der Virtualität konnte dazu führen, dass unsere Wirklichkeit, die von härtester Materialität gekennzeichnet ist, uns "virtuell" vorkommt. Echte Virtualität könnte höchstens im Zeichen einer kommenden Ära neuer Nachhaltigkeit stehen, welche den Materialeinsatz entkoppelt hat vom Wachstum des Nutzen. Materialität ist bequemer, als sich etwas vorzustellen. Es ist leichter, einen Film anzuschauen, als ein Buch zu lesen - ein Objekt zu erwerben, als einen Gedanken zu formulieren. Es fordert geringeren persönlichen Aufwand, seine gesellschaftliche Besonderheit durch Objekte (früher Sportwagen | heute iPhone - Katzen-Postings . . .) zu signalisieren als beispielsweise durch kultiviertes Auftreten, "Gesprächsführung" oder andere persönliche Eigenschaften, deren Erwerb sich hinzieht.
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Lebensklugheit,
Philosophie
Werde du selbst!
Dieser Slogan hat mich stets etwas hoffnungslos gemacht. Ich wusste nie, wie ich darauf antworten konnte. Die impraktikable Forderung geht, zumindest in ihrer generellen Verwendung, zurück auf das sokratisch-platonische Verständnis des Lernens als "Wiedererinnerung" (cf. MENON). Beratung, z. B. in der Schule als Unterricht oder im therapeutischen Gespräch, wird infolgedessen verstanden als Hebammenkunst = Hilfe zur Selbstfindung: aus dem Schüler wird herausgelockt, was angeblich bereits tief in ihm liegt. Selbst zu denken heißt, das zu berühren, zu erinnern, was "immer schon in dir" steckt. Wahr ist danach nur, was wir selber machen (können). - Schauen ich mir andererseits meinen Leib an: es gibt nichts an ihm, das nicht vorher durch den Magen gegangen wäre. Meine Besonnenheit sollte dagegen keine Weiterung sein äußerer Einflüsse? Ich finde es viel weniger beunruhigend, mir vorzustellen, dass alles, was sich in meinem Gemüt befindet, durch irgendwelche sinnlichen Kanäle dort hineingelangt ist. Um mein Bewusstsein zu erweitern, müsste ich dann nicht in meinem "innersten Selbst" herumsuchen, sondern einfach nur neue Erfahrungen machen, einen neuen Sport lernen (hab' mich gerade zu einem Rückenschwimm-Kurs angemeldet!), eine weitere Sprache . . . Was gäbe meinem Selbst in dem Fall inneren Zusammenhalt: wenn es durch nichts als Erfahrung sich "aggregiert", die ja prinzipiell niemals aufhört? "Selbst" müsste dann eigentlich in dem liegen, was mich sinnlich anspricht. Viele Filmschauspieler begreifen erst bei der Uraufführung, wenn sie das ganze Werk sehen, was es mit ihrem Charakter oder dargestellten Selbst auf sich hat(te). Vorgezeichnet liegt es, wenn schon, nicht in der Figur, sondern in deren Geschichte. Ich fände es daher viel weniger verwirrend anstelle von Sei du selbst! gesagt zu bekommen: Spiel (d)eine Rolle! Oder besser noch: Lass dich ansprechen!
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Gerechtigkeit
Wenn man ein-, zweimal verloren hat, wird es immer schwieriger, bald unmöglich, mit den Glücklichen aufzuholen, denn diese verfügen - infolge ihrer vorigen Gewinne - einfach über mehr Kapital, es einzusetzen, um die Dinge weiter in ihrem Sinn zu lenken. Oder fällt es keinem auf, wie etwa Pechvögel in einer bestimmten Hinsicht immer nur noch mehr Pech anzuziehen scheinen - und umgekehrt? Eine Person vergreift sich z. B. bei der ersten Partnerwahl, wird ausgenutzt, geht durch die Hölle, trennt sich endlich - wählt hinterher aber, wenn überhaupt, genau denselben Partner. Ähnlich, wenn sie sich nicht vergriffen hätte: die Beziehung ist stabil, bringt Glück, die nächsten ebenso (in solchen Fällen musste der Partner vorher sterben - es ist auffällig, wie rasch glücklich liiere Personen dann jemand Neuen finden). Und ist es im Berufsleben | Geschäftsleben anders? „Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat“, sagt selbst noch Jesus im Matthäus-Evangelium (25,29). Wer nach "Gerechtigkeit" verlangt, könnte man daher spekulieren, signalisiert, dass seine Hilfsmittel im Schwinden sind - er uns daher zu einer Talfahrt einlädt = dazu, mit ihm unser Glück zu verringern. Empfiehlt es sich, solchem Ruf zu folgen? Und im eigenen Fall: wenn man verloren hat und daher wohl weiter verliert? Kann man das Ruder nochmal herumreißen - angesichts des wachsenden Kapitals auf der Gewinnerseite? Oder empfiehlt es sich dann, ein anderes Spiel zu wagen, um dort womöglich Gewinne zu machen? Am Anfang sind die Chancen immer gleich verteilt. Man sollte daher sehen, in welchem Spiel einem das Glück gewogen ist, infolgedessen nicht mehr den Rücken zu kehren verspricht. Verschwendet aber ist die Zeit dort, wo es "ungerecht" für einen zugeht. Womöglich liegt dann ja im inneren Verlangen nach Gerechtigkeit sogar ein Hinweis, sich aus dem Staub zu machen - in seiner Äußerung aber die Einladung zum Fangschuß. Denn wenn die Siegestrunkenen, um ihren Mut zu kühlen, nach Gegenständen suchen, scheint eins von deren Erkennungszeichen zu sein deren Ruf nach "Gerechtigkeit".
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Lebensklugheit,
Philosophie
Anstand . . .
. . . geht mir bei der momentan eingeklagten Reflektion "unserer Werte" durch den Kopf, entspringt dem Selbstwertgefühl! Das müssen wir den Fremden bei uns unbedingt beibringen: Ihre Kinder, damit sie zu "guten Deutschen" reifen, sollen sich allzeit gelobt fühlen nicht für harte Arbeit oder Liebenswürdigkeit, sondern weil sie "etwas besonderes" sind, je weniger Geduld sie m. a. W. jenen gegenüber zeigen, die ihre Überlegenheit nicht anerkennen. Wer da nicht weiß, ob sein Selbstbewußtsein schon hoch genug ist, braucht nur auf Grazie und Anmut schauen: wieweit diese ihn noch hindern, "bei sich" zu sein. Eine gemütliche Kaltschnäuzigkeit dagegen, gekoppelt mit der Bereitschaft, anderen etwas zuzumuten, ist zu begrüßen, so wie die soziale Begabung, selbst bei äußerster Freundlichkeit niemals angenehm zu werden.
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Worüber die lachst, dem wirst du dienen
Einer dieser Gemeinplätze, ich glaube, aus Russland, von denen man sofort spürt, dass sie eine tiefe Wahrheit ausdrücken. Die Eltern zum Beispiel dienen ihren Kindern, die Belegschaft dem Chef, die Frauen den Männern. Im Kasperletheater der Polizist kann, wenn er auftaucht, gleich mal prophylaktisch Prügel bekommen, dann lacht der Saal. Wieso? Worüber du lachst, dem wirst du dienen . . . Was wir verlachen, dem fühlen wir uns überlegen. Aber welchen Dingen gegenüber fühlen wir uns überlegen? Denen, würde ich antworten, die weniger zusammengesetzt wird als wir selbst. Der übliche Vorgesetzte ist Vorgesetzter geworden, weil er einen "aufgeräumten Schreibtisch" hat, weniger "Gepäck" mit sich herumschleppt als seine Untergebenen, wahrscheinlich sogar ein bisschen dümmer ist. Was man z. B. gerade der Kanzlerin in der Flüchtlingskrise ankreidet: sie sei einfach zu einfältig, um die Weiterungen ihrer Richtungsvorgabe zu übersehen. Aber die Klügeren, vielfältiger Ausgestatteten, Sinnreichen - wissen vor lauter Möglichkeiten nie, welchen Weg sie einschlagen sollen. Ihre Standard-Antwort ist: man habe die Sache noch nicht aus genügend Blickwinkeln betrachtet. Sie kommen dadurch nie zum Handeln, sondern folgen den Dummen. Worüber du lachst, dem wirst du dienen . . . Kinder üben eine außerordentlich disziplinierende Wirkung auf ihre Eltern aus, indem sie die Verläufe daheim nach ihren einfacheren Bedürfnissen ausrichten. Sie hören auf, Kinder zu sein, wenn sie "so kompliziert" wie ihre Eltern wurden. Hier lauert auch die Frage, ob Frauen "komplizierter", also vielfältiger zusammengesetzt, sind als Männer, und die Antwort liege einem auf der Zunge. Finden Männer Frauen komischer - oder müssen umgekehrt Frauen mehr über Männer lachen? Der Gegenstand des Gelächters aber ist der einfacher gestrickte und gibt - infolgedessen - den Ton an. Dieses Paradox drückt das Sprichwort aus: Worüber die lachst, dem wirst du dienen.
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Glauben vs. Wissen
Es glaubt eigentlich niemand, dass er sterben wird - er weiß es bloß.
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Pervers
Nichts ist abstoßender als das, was der Dummkopf "eine harmonische und ausgeglichene sexuelle Aktivität" nennt. Die hygienische und methodische Sexualität ist die einzige Perversion, die die Dämonen ebenso verabscheuen wie die Engel. DAVILA
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Die meisten Kinder ziehen keinen Vorteil aus kleinen Klassen
Rund um die Welt finden Eltern es gut, wenn ihre Kinder in kleinen statt in großen Klassen unterrichtet werden. Dies beruht auf der Annahme, so werde der Bildungserfolg erhöht. Politiker reagieren darauf und stellen mehr Lehrer ein. Mit der Folge, dass dominante Schüler sich in den kleinen Gruppen eher durchsetzen, als sie's in größeren Verbänden getan hätten. Schwache Kinder finden in kleinen Gruppen zu wenige Kameraden mit denselben Bedürfnissen um sich – und halten eher den Mund.
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On over-rating the difference between one permanent situation and another
The great source of...
misery... of human life, seems to arise from over-rating the difference between
one permanent situation and another... Some... situations may... deserve to be
preferred...: but none... can deserve to be pursued with that... ardour which
drives us to violate the rules either of prudence or of justice; or to corrupt
the future tranquillity of our minds, either by shame from the remembrance of
our own folly, or by remorse from the horror of our own injustice. A. SMITH
Stop searching for your passion
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Psychologie
Viel erlebt, nichts begriffen
Lässt sich die Erfahrung eines Menschen, der ‚viel gelebt’ hat
nicht gewöhnlich auf einige triviale Anekdoten reduzieren, mit denen er seinen
unheilbaren Schwachsinn ausschmückt?
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Lebensklugheit
Allgemeinplätze
Es gibt durchaus Wahrheiten, die sich nicht relativieren lassen,
z.B. in Sprichwörtern: "In eine Wunde darf man kein Salz streuen."
oder "Käsekuchen im Traum ist keine Käsekuchen, sondern ein Traum." -
"Nicht viel nachgedacht, aber gut gemacht" - "Hätten die Fische
was zu sagen, würden sie schon reden..."
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Lebensklugheit
Organisch vs mechanisch
The difference between
"organic" and "mechanical" in social matters is a moral
one: the "organic" is the result of innumerable humble acts; the
"mechanical" is the result of one decisive act of arrogance.
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Lebensklugheit