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Fraglich . . .
. . . ist heute etwas nur noch im Hinblick auf Politik oder Wirtschaft oder als soziales Problem. Wir stellen uns mit anderen Worten die Lösung sämtlicher Herausforderungen vor durch einen gerechten Umgang mit der menschlichen Bedürftigkeit.
Keine Rolle mehr spielen im allgemeinen Kunst, Mythos oder Metaphysik. Wie verwahrlost sie inzwischen sind, ist zu besichtigen in unseren Spielstätten, auf Buchläden-Stapeln und im ungezügelten Wiederauftauchen der Tätowiertheit.
Zumindest unserer Kunsthochschulen könnten, wo man sie sich noch leistet in solch misslicher Lage, außerhalb des Hauptstroms laufen dürfen, anstatt zusehends in diesen getaktet zu werden (Regelstudienzeit, Marktgerechtigkeit usf.)
THE AMERICANS | Die Formel
Ich schaue mich gerade durch die zweite Staffel. Faszinierender Mix.
Es geht eigentlich um Familie. Und um Sex. Wie kann man die beiden Bedürfnisse - nach Lebensinhalt und Abenteuer - unter einen Hut bringen? Dafür ist dem Macher von The Americans eine beispiellose Formel eingefallen, die es den Protagonisten gestattet, Kinder im Einfamilienhaus sowie eine sexsatte Übermenschen-Existenz zu haben.
Ihre Agenten-Identität befiehlt ihnen wie Prostituierten mit allen möglichen anderen Partnern - ruhig auch mal zu dritt - zu schlafen und macht Eifersucht "unpatriotisch". Sorpanos reloaded, nur dass den Frauen nun auch völlige sexuelle Freiheit zugestanden wird.
Die Konstruktion, die dies alles ermöglicht, ist abenteuerlich-unrealistisch, die erforderlichen Bestandteile passen eigentlich nicht zusammen. Das verleiht dem Fantasie-Produkt eine höchst widersprüchliche Anmut. Es kann einfach nicht stimmen, nicht so - und nimmt einen doch ein wie der suggestive Traum eines gelungenen Comics.
Interessant fand ich dazu die Bemerkung des Produzenten der Serie, welcher, wie er in einem Interview sagte, ihm vorgelegte Projekte eigentlich nur ablehnt, jeden Tag zu 99% Absagen schreibt.
Bei The Americans sei es schwierig gewesen, einen Ablehnungsbrief zu schreiben, weil sich das Projekt nicht habe fassen lassen wegen seiner Ungereimtheit. Wie wenn die logische Gebrochenheit des Vormarsches die gemütliche Abwehr des gesunden Menschenverstandes beim Rezipienten durchbricht zum Zwecke des Aufspannens einer widersprüchlich-faszinierenden Welt, in welcher schrankenlose Freiheit der Unterwerfung entspringt und dem Sich-Fügen.
Der "höchste Grund", das sinngebende Prinzip, das alles absegnet und befördert, ist absurderweise die KPdSU. Sie befindet sich mittlerweile in solcher Ferne zum Wissen des Zuschauers, zumal in the US, dass ihre Hülle alle möglichen Erlösungsfantasien - bis hin zum erfüllen Sexualleben - in sich stapeln kann.
Nicht ausgeschlossen infolgedessen, dass in 50 Jahren "The Islamists" als Serie eine ähnliche Faszination ausstrahlt.
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Spontaneität ist nicht alles
Wenn das Muster komplizierter und kunstvoller wird, darf man sich nicht einfach treiben lassen.
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